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Unser neues Buch: Fotografieren in den Alpen

Unser neustes Buch, Fotografieren in den Alpen, ist soeben im Rheinwerkverlag erschienen. Ein opulentes Werk im Schaubuchformat 24 x 28, stolze 2,1 Kilo schwer, in das wir unsere langjährige Foto- und Reiseerfahrung, unser Herzblut für die Berge gepackt haben – sozusagen fast ein Lebenswerk.

Als Fotojournalisten lernen wir die Alpen sehr intensiv kennen. An diesem Fundus lassen wir nun Bergfreunde und Hobbyfotografen teilhaben. Wir haben ganz besondere Alpenregionen in Deutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz herausgepickt, neben Klassikern wie Zugspitzregion oder Zermatt, vor allem auch Gebiete abseits des Mainstreams wie Tennengebirge oder Gesäuse. Aber selbst in gut besuchten Gebieten, lässt sich einsam unterwegs sein, wenn man die Hauptrouten verlässt. Wir verraten interessante Schleichwege und spannende Fotostandpunkte. Und weil Dieter gerne gut isst (ich natürlich auch) und lange Zustiege für Stimmungsbilder nicht so sein Ding sind, gibt es auch viele Tipps für Unterkünfte in kulinarischer wie optischer Ideallage.

Wer sich hineinliest, erfährt viel über unsere Arbeit und die Vorgehensweise, aber auch viel über Land und Leute fern gängiger Reiseführerliteratur. Wir zeigen Blicke hinter die Kulissen: beim Älpler, beim Säumer oder bem Enzianwurzengraber. Wir sprechen über Bildgestaltung, das fotografische Sehen lernen, über Filter, die das Bild dennoch unverfälscht lassen, darüber, warum ein Blick auf das Histogramm so wichtig ist, warum wir ein Stativ mitnehmen und und und…

Bei jedem Bild sind außerdem die Aufnahmedaten angegeben.

Das Buch haben wir natürlich bei uns im Shop, gerne auch signiert oder mit persönlicher Widmung. Auch ein tolles Geschenk für jeden fotobegeisterten Bergfreund.

Rheinwerk Verlag Fotografieren in den Alpen von Iris Kürschner und Dieter Haas
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100 Highlights Alpen – Eine grossartige Gemeinschaftsproduktion

Wenn Eugen E. Hüsler ein Buchprojekt wie 100 Highlights Alpen anpackt, holt er sich die Größen der Bergfotografie ins Boot.

Im Frühling rief mich Bernd Ritschel an und erzählte mir von dem Buchprojekt „100 Highlights Alpen“, das der Bruckmann Verlag plane. Ich als Westalpenspezialistin könne doch sicher jede Menge Fotos beisteuern. Er würde den Ostalpenanteil bebildern und Eugen E. Hüsler die Texte schreiben. Eugen’s unkonventioneller Schreibstil, mal poetisch, mal kritisch, fern jeder Klischee-Schwärmerei, sondern stets mit Tiefgang. Bernd’s großartige Bildsprache, das Gebirge einzufangen, was ihn zu einem der bekanntesten Bergfotografen Deutschlands machte.

Keine Frage, mit zwei so hochkarätigen Alpenkennern einen Bildband zu gestalten, da musste ich nicht lange überlegen und stürzte mich in mein Archiv. Da ich die letzten Jahre intensiv auch in den Ostalpen unterwegs gewesen war, konnte ich zum gesamten Alpenbogen gut die Hälfte des Bildmaterials beisteuern. Während der Suche mussten wir uns aber eingestehen, dass sowohl Bernd und ich zwar über riesige Bildarchive aus den Alpen verfügen, aber als DIE Bergfotografen schlechthin auch noch nicht jeden Winkel der Alpen besucht und fotografisch festgehalten haben. Ein kleiner Teil der Bilder konnte so noch durch Manfred Kostner und Andreas Strauß ergänzt werden und dem neuen Bildband stand nichts mehr im Weg.

Heraus kam eine wunderschöne Enzyklopädie der schönsten Alpenwinkel, in der man selbst als Alpenconnaisseur viel Neues entdecken kann.

Das Buch haben wir natürlich bei uns im Shop, gerne auch signiert oder mit persönlicher Widmung. Auch ein tolles Geschenk für jeden fotobegeisterten Bergfreund.

Cover 100 Highlights Alpen

Auf den Spuren der Hugenotten

Über Jahrhunderte wurden Reformierte in Frankreich als Ketzer verfolgt. Tausende wanderten aus. In die Schweiz, nach Deutschland. Ihr Weg ins Exil durch die Drôme gen Genf führt durch ein Stück unbekannte Provence und hält die Geschichte lebendig.

Eine dunkle Gestalt huscht durch die Nacht. Treffpunkt ist ein Wäldchen oberhalb von Poet-Laval, ein kleines Nest in der nördlichen Drôme. Es ist der 27.März 1686. „Die Reise wird gefährlich sein. Frankreich zu verlassen ist uns verboten. Eine lebenslange Galeerenstrafe schwebt über unseren Köpfen.“ Frau und Kind muss der Hugenotte zurücklassen, weil das Töchterchen noch zu klein ist. In Genf will er Geld verdienen und seine Lieben nachkommen lassen. Er schafft es nach Genf. „Wir sind nicht die einzigen, die sich in Genf drängen. Die Flüchtlinge kommen jeden Monat zu mehreren Hunderten an…“ Ihm werden seine Papiere und die Kleidung gestohlen. So muss er auf der Suche nach Arbeit weiter nach Bern ziehen. Seine Familie hat er nie wieder gesehen.

Geheime Pfade

Ein Schicksal von vielen. Johannes Melsen hat es in seinem Büchlein „Alles einfach…die Geschichte einer komplizierten Reise“ auf Grundlage historischer Dokumente in Form eines Tagebuches nachgezeichnet. Melsen ist der Koordinator der französischen Wegstrecke „Sur les pas des huguenots – Auf den Spuren der Hugenotten“, die von Poet-Laval durch die Drôme und weiter nach Genf führt. Aus seiner Idee, den Exilweg der Hugenotten durch die Drôme wieder lebendig zu machen, hat sich mittlerweile ein europäisches Gemeinschaftsprojekt entwickelt, ein grenzüberschreitender Kulturwanderweg, der auf 1800 Kilometer bis ins deutsche Bad Karlshafen führt. Symbol ist eine blaue Scheibe mit weißer Figur. Sie erinnert an das „méreau“, eine geprägte Münze, die den Hugenotten als Erkennungszeichen diente zur Teilnahme an ihren geheimen Gottesdiensten. „Dank der Forschungen von Pierre Bolle, Professor an der Universität Grenoble, entspricht die Route ziemlich genau dem historischen Verlauf“, so Melsen. „Zumindest einer der Hauptfluchtwege, denn innerhalb Frankreichs gab es ein ganzes Netz geheimer Pfade. Der Charakter des Wegverlaufs ändert sich dann jenseits der Grenze. In der Schweiz und in Deutschland nutzten die Exilanten offizielle Wege und Transportarten. Sie wurden dort ja nicht verfolgt.“

Provenzalischer Frühlingszauber

Himmlischer Duft durchströmt das archaische Nest. Der Flieder steht in voller Blüte, ganze Meere blauer Iris…. Die Farben überschlagen sich. Das berühmte Licht der Provence, von Künstlern so gerne zu Papier gebracht, es beginnt in der nördlichen Drôme, wo die letzten Nussbaumhaine mit den ersten Lavendelfeldern zusammentreffen. Herrscht zur Osterzeit im Norden noch Schmuddelwetter, ist der Frühling hier schon weit fortgeschritten. Ja, sommerlich ist uns zumute, weil wir abends noch hemdsärmelig herumwandeln kann. Vom Burghügel in Bourdeaux, eine Tagesetappe von Poet-Laval, lässt sich weit über die Landschaft blicken. Auf manchem Feld fällt ein ummauertes Karree ins Auge. Ein jeder Hof hatte seinen Privatfriedhof, da es Hugenotten untersagt war, auf dem kirchlichen Friedhof begraben zu sein. Bourdeaux war einst zu 99 % hugenottisch.

Esel tragen das Gepäck

Pascaline und Barbara wollen uns ein Stück mit ihren Eseln begleiten. Ein eingespieltes Team, denn im Herbst 2010 sind sie die 400 Kilometer vom Musée du Protestantisme Dauphinois in Poet-Laval bis zum Musée de la Réforme in Genf an einem Stück gewandert. „Der Weg ist brandaktuell, denn Flucht, Exil, Toleranz und Integration bestimmen mehr als genug die heutigen Schlagzeilen“, sagt Pascaline. Die Hugenotten gelten heutzutage „als Wegbereiter der Gewissensfreiheit und als Beispiel für Standhaftigkeit und die Notwendigkeit religiöser und bürgerlicher Toleranz“, schreibt Eberhard Gresch im Vorwort seines Standardwerkes „Die Hugenotten“.
Die Esel sind mit unserem Gepäck beladen. Es geht auf steinigen Pfaden in die Höhe. Der lichte Eichenwald lässt genug Sicht zum Bestaunen der Landschaft, die sich als Hügelteppich um uns ausbreitet. Es duftet am Wegesrand: Wilder Lavendel, Thymian, Ginster, Rosmarin…. In unmittelbarer Nähe bäumen sich die Trois Becs. Monumentale Felsklippen, denen eine Laune der Natur drei „Schnäbel“ aufgesetzt hat. Faszinierender Blickfang, während wir den Col du Chaudière passieren. Jenseits finden wir in der abgelegenen Auberge 3 Becs ein Nachtlager mit dem Luxus von Schwimmbad und Sauna. Anderntags dürfen wir ein bisschen den Strapazen nachfühlen, die auf dem Fluchtweg Alltag waren. Der Weg ist zäh, ein Auf und Ab durch schluchtartig eingegrabene Täler, ein gnadenloser Sprühregen drückt für ein paar Stunden aufs Gemüt. St-Benoît wirkt verlassen, nur die auf einem Felssporn thronende Dorfkirche gibt uns für eine Weile Schutz. Die knorrigen Reben durch die wir aus dem Roanne-Tal steigen, gehören bereits zum Clairette-Anbaugebiet, jenem fruchtig-erfrischenden Perlwein, mit dem sich das Städtchen Die rühmt. Nebel wabbert mystisch durch die Gebirgsfalten und über die Hochebene von Rimon-et-Savel.

Ostersonntag am Croix Justin

Stockdunkle Nacht. Die Lichtkegel unserer Stirnlampen irren durchs Gelände. Wo ist der richtige Weg? Gut, dass es schon dämmert, als wir abenteuerliche Felsbänder queren. Der Zauber des anbrechenden Tages nimmt gefangen. Die pure Stille wird nur von Käuzchen und knackendem Geäst unterbrochen. Just zum Sonnenaufgang taucht das wuchtige Kreuz auf. Seit einem Jahrzehnt ist die Osterzeremonie am Croix Justin, von wo man so herrlich ins Dios blicken kann, Tradition.
„Es war 1952 als drei Männer aus Louisendorf ins Dios kamen und sich als Hugenotten von Die outeten“, erzählt Paul Castelnau, langjähriger Pfarrer von Die und Bourdeaux. „Daraus hat sich eine enge Städtepartnerschaft entwickelt. Louisendorf bei Marburg in Hessen wurde 1688 von 16 Hugenottenfamilien gegründet.“ Der 71jährige spricht gut deutsch. In Heidelberg hat er studiert. Jetzt ist er pensioniert. Aber weil es nicht mehr genügend Pfarrer im Dios gibt, springt er öfter ein. „Als Pierre Gay, Priester von Die, anno 1551 Luthers und Calvins Theorie aus Paris mitbringt und verkündet, das war wie ein Feuer“, weiß er. „Fast alle hier wurden evangelisch. Die Zeit war reif, man war mit dem Katholizismus nicht zufrieden. Reformiert kommt vom lateinischen reformare: erneuert, von Missbräuchen gereinigt.“ Den darauf folgenden Religionsstreitigkeiten versuchte Heinrich IV. mit dem Edikt von Nantes 1598 Einhalt zu gewähren. In dieser Zeit wurde Die mit 4000 Hugenotten zur Hochburg des Protestantismus, gestärkt durch die Gründung einer „Académie“ (Universität) 1604, wo hochkarätige Lehrer unterrichteten. Doch die Unterdrückung blieb, verschärfte sich ab Mitte des 17.Jahrhunderts und erreichte mit der Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 ihren Höhepunkt. Die Akademie wurde geschlossen, Kirchen zerstört, Pfarrer vertrieben und Dragoner ausgeschickt, die gewaltsam den Religionswechsel zu erzwingen versuchten. Ein wirksames Mittel war die Entführung der Kinder. Unzählige Reformierte starben auf dem Scheiterhaufen, wurden eingesperrt und misshandelt. Diejenigen, die nicht flohen, lebten ihren Glauben im Untergrund weiter, trafen sich, „du désert“ (in der Wüste) nannten sie es, zu heimlichen Gottesdiensten im Wald. „Gespenstisch muss das auf die Katholiken von damals gewirkt haben“, vermutet der Pfarrer. „In Tours verglich man sie mit dem Stadtgeist Hugo Capet und verspottete sie als „huguenots“, als Hugenotten. So entstand der Name, den die reformierten Franzosen selbst übrigens nie benutzt haben.“
Paul Castelnau stimmt zum Gesang an, während Noèmie Woodward, eine junge Pastorin aus dem Diois, mit ihrer Geige den Chor begleitet.
Von der stimmungsvollen Predigt erfüllt, nimmt man den 1000 Höhenmeter Abstieg nach Die ganz anders wahr. Der Hauptort des Dios hat viel Charme. Die engen Gassen spenden auch Mittags noch Kühle. Geschichtsträchtige Ecken: römische Hinterlassenschaften, Patriziervillen, barocke Türschnitzereien…

Hugenottenschmaus in Die

Am Abend wird uns ein köstliches Essen aufgetischt, gekocht nach alten hugenottischen Rezepten, die Christa Gombel aus dem hessischen Greifenthal zusammen trug. Die Suche nach den Vorfahren ihres Mannes hat sie vor 25 Jahren nach Manglon, ein kleines Dorf nicht weit von Die, geführt. „Die Überraschung war unbeschreiblich, als wir vor der Tür der Familie Rambaud standen und sagten: Wir sind eure deutschen Verwandten“, erinnert sie sich. Die Massenauswanderung nach der Annullierung des Edikts von Nantes hat Frankreich rund eine Viertel Million qualifizierte Fachkräfte gekostet. Vor allem auch in Deutschland waren die gebildeten „Refugiés“ (Flüchtlinge) willkommen. „Graf Wilhelm-Moritz zu Solms-Greifenstein ließ für die sie sogar ein ganzes Dorf räumen“, erzählt Christa Gombel. „Das Land war vom Dreißigjährigen Krieg ausgebrannt. Die Hugenotten brachten neue Techniken mit, waren tüchtig und förderten die Wirtschaft. Weil Daubhausen nicht genug Platz bot, stellte der Graf noch einen nah gelegenen Meierhof zur Verfügung, um den das Dorf Greifenthal entstand.“
Der Meierhof, der 1685  Théophile Rambaud übergeben worden war, ist bis heute im Besitz der Familie, in die Christa Gombel eingeheiratete und wo sie mit hugenottischen Kochseminaren Furore macht. Im September 2001 wurde ihr für ihre Bemühungen im Dienste der deutsch-französischen Freundschaft und Verständigung von Frankreich der Kulturorden der Republik verliehen.

Am Fuße des Vercors

An den dramatischen Felsfluchten des Vercors entlang führt uns der Exilweg über das fotogene Burgdorf Châtillon zum Col de Menee, dem Mitternachtspass. Zu Ehren der Flüchtlinge, die den Pass zur mitternächtlichen Stunde überschritten, prangt ein großes Holzkreuz am Scheitel.  « Aime Dieu et va ton chemin » gibt die Inschrift den Wanderern mit auf den Weg.

Fotostrecke:

INFOS:

Anreise: Mit dem Zug bis Montélimar (www.sncf.fr), dann per Bus bis Poet-Laval.. Mit dem Auto von Genf über Grenoble kommend A49 über Valence bis Montélimar und auf der D540 bis Poet-Laval.
Information: Atout France in Frankfurt, info.de@franceguide.com, www.franceguide.com; Comité départemental du tourisme de la Drôme in Valence, Tel. 0033/(0)4/75 82 19 26, www.drometourisme.com. Office de Tourisme du Pays Diois in Die, Tel. 0033/(0)4/75 22 03 03 ; Verein Hugenotten- und Waldenserpfad, www.hugenotten-waldenserpfad.eu. Unter www.surlespasdeshuguenots.eu finden sich in der Rubrik „Der Weg in Frankreich“ alle Etappen auf Karten dargestellt.
Karten & Führer: IGN 1:25.000 Blätter 3038 E, 3138 OT, 3137 OT, 3237 OT. Vor Ort erhältlich ist der Führer: Guide Étape Sur les Pas des Huguenots. Auch wenn die Wegbeschreibung nur auf französisch ist, sind die Faltkarten mit exakter Routenführung sehr praktisch.
Veranstalter: Seit drei Jahren wird die Strecke durch die Drôme mit Gepäcktransport individuell oder mit kenntnisreichen Führern angeboten. Besonders attraktiv gibt sich die Osterwoche, in der täglich themenbezogene Attraktionen geboten werden. Besondere Hugenottenessen, mal ein Konzert, mal eine Zusammenkunft in der Kirche, Dorfführungen, etc. Der Höhepunkt ist eine Nachtwanderung am Ostersonntag, um bei Sonnenaufgang eine Zeremonie am Croix du Justin miterleben zu können. Vercors Escapade, Tel. 0033/(0)4/75 22 07 62, www.vercors-escapade.com. Genaue Infos auf deutsch kann Paul Zeller geben.

ROUTE:

1. Poet-Laval – Dieulefit 5,8 km, 1.30 Std., ­171 m ¯164 m
2. Dieulefit – Bourdeaux 15,5 km, 4 Std., ­681 m ¯664 m
3. Bourdeaux – La Chaudière 11,4 km, 4 Std., ­890 m ¯319 m
4. La Chaudière – Rimon-et-Savel 16,9 km, 5 Std., ­ 1177 m ¯ 1161 m
5. Rimon-et-Savel – Die 17,8 km, 5 Std., ­671 m ¯1255 m
6. Die – Valcroissant 7,6 km, 2 Std., ­ 695 m ¯398 m
7. Valcroissant – Châtillon-en-Diois 11,6 km, 4 Std., ­ 880 m ¯ 896 m
8. Châtillon-en-Diois – Les Nonières 11,3 km, 4 Std., ­ 1151 m ¯ 852 m
9. Les Nonières – Le Percy 17,3 km, 5.30 Std., ­ 1108 m ¯ 1194 m

Klettersteigpower im Saastal

Klettersteig-Enthusiasten haben sie in der Schweiz lange vermißt, die spannenden Eisenwege, die in den Ostalpen auf so viel Resonanz gestoßen sind. Jetzt hat das Alpenländchen nachgezogen und in den letzten Jahren jede Menge neue Ferrate ins Leben gerufen. Besonders das Wallis hat investiert und kann sich mit mehr als 20 Routen schmücken. Mit einer gelungenen Mischung an Senkrechtstartern wartet das Saastal auf.

Einmal vom Klettersteig-Virus gepackt, kann ich mich diesem nicht mehr entziehen und jede Neuentdeckung wird sofort in Augenschein genommen und auf Herz und Nieren geprüft. Freund und Schwester müssen herhalten, doch es ist ihnen nur recht, den Alltag mit einer Adrenalinspritze aufzumöbeln. Bereits seit einigen Jahren schreibt das Saastal Klettersteiggeschichte. Die Einrichtung einer Eisenroute im Sommer 2000 auf das Jegihorn, einen echten Dreitausendergipfel, war schon eine Sensation. Drei Jahre später macht ein nächster Dreitausender Schlagzeilen in Ferratistenkreisen: das Mittaghorn im Gletscherkessel von Saas Fee. Schnell hat es sich herumgesprochen, dass da eine Route mit einem Höchstgenuss an Kletterei und Panorama verbunden ist, die nicht nur dem Spezialisten vorbehalten, sondern auch dem Einsteiger zugänglich ist. Fieberhaft warten wir ein Hoch ab, um dem Gerücht nachzugehen. Der Alpin-Express bringt uns zur Mittelstation Morenia und über Blockwerk folgen wir den Markierungen zum Einstieg. Der alpine Zustieg, der Trittsicherheit und gutes Schuhwerk voraussetzt, ist vielen Schweizer Klettersteigen gemeinsam und macht sie gerade auch deshalb interessant.

Auch das Klettervergnügen erfährt eine Steigerung durch die nicht ganz so üppige Absicherung, wie das bei französischen Sportklettersteigen der Fall ist, so dass man noch in den Genuss der Felsberührung kommt und beim Tritte suchen etwas denken darf. Der Panoramasteig, der sich über den Nordwestgrat zum Gipfel des Mittaghorns hinaufzieht, entspricht mehr als unseren Erwartungen. Die Kulisse ist atemberaubend. Zum Greifen nahe glitzert der Feegletscher, seine wild zerrissenen Gletscherströme, die sich von Allalinhorn, Alphubel und der Mischabelgruppe herabwälzen. Gegen Norden kann man das ganze Saastal bis ins Rhonetal hinunterblicken. Vom Gipfelkreuz, bestaunen wir dann im Osten den Weissmies, im Süden liegt der Monte Moro Pass und der Mattmark-Stausee zu Füßen und in der Gratverlängerung hinterm Egginer balanciert die Britannia Hütte im rauen Felsgelände. Pfadspuren führen uns durch Steilflanken auf einen Querweg, der rechts über die Britannia Hütte eine wunderbare Bergtour bereit hält, zahlreiches Steinbock-Publikum inbegriffen. Nach links hingegen ist schnell die Gondel von Plattjen erreicht, mit der man sich den kniemörderisch steilen Abstieg nach Saas Fee ersparen kann.

Fast könnte man sagen, das Saastal hat sich zum Klettersteig-Mekka gemausert, allein 6 Ferrate befinden sich im Talschluß. Das Spektrum ist abwechslungsreich und reicht von leicht bis schwierig, von hochalpin bis sportlich-verwegen. Eine besondere Unternehmung, die auch gut bei schlechtem Wetter durchgeführt werden kann, hält die Gorge Alpine bereit. Bergführer haben durch die Bachschlucht zwischen Saas Fee und Saas Grund einen nervenaufreibenden Abenteuer-Parcours eingerichtet. Da pendelt man dann über vom Gletscher zu phantastischen Formen geschliffenen Schluchtabschnitten und saust in mystische Höhlen hinein, kraxelt über brüllenden Wasserschlünden, balanciert über Leitern und Hängebrücken. Der Name Gorge Alpine ist übrigens dem Restaurant „La Gorge“ entlehnt, denn durch den gemauerten Turm des Restaurants erfolgt der originelle Einstieg in die Schlucht. Und der ist ohne Anmeldung fest verschlossen. So wird der Zutritt von Leichtsinnigen verhindert, die sich womöglich ohne spezielle Ausrüstung und Erfahrung, die es vor allem für die Pendelgänge braucht, in die wildromantische Klamm aufmachen wollen.

Doch man muss nicht immer dramatische Wege gehen. Friedliche Wandertage lassen sich in Saas Almagell erleben. Das letzte Dorf im Saastal ist vom Massentourismus weitgehend unberührt geblieben. Ein attraktiver Erlebnisweg mit leichten Klettersteigpassagen und Hängebrücken, ideal für Familien, balanciert hoch über dem engen Tal und verbindet die abgeschiedene Almagelleralp mit dem archaischen Weiler Furggstalden, dessen verwitterte Holzhäuser in eine andere Welt entführen.

Fotostrecke:

Infos:

Bergführerbüros:

Bergführerbüro Saas-Fee Guides
Tel. +41-27-9574464
info@saasfeeguides.ch
www.saasfeeguides.ch

Bergsportschule Weissmies
Tel. +41-27-9571444
weissmies@rhone.ch
www.weissmies.ch  www.klettersteig.ch

Die Grande Traversata delle Alpi – GTA

Die Grande Traversata delle Alpi, kurz GTA genannt, ist eine der abenteuerlichsten Alpendurchquerungen, da sie nur schwer zugängliche, von der Entvölkerung am meisten betroffene Alpentäler berührt. Vom Schweizer Nufenenpass, dem Übergang vom Wallis ins Tessin, geht es mit gewaltiger 4000er Kulisse auf alten Saumwegen durch den italienischen Westalpenbogen bis ans Mittelmeer. In Summe über 650 Kilometer, für die man bei normalem Wandertempo zwei Monate rechnen muss. Eine Herausforderung für Weitwanderer und noch viel mehr.

Seit der Industrialisierung kämpfen die „vergessenen“ Alpentäler der italienischen Region Piemont mit Abwanderung und damit auch mit dem Verlust der traditionellen Bauernkultur. Der Einwohnerrückgang ist teilweise dramatisch, ganze Ortschaften verfallen zu Geisterdörfern. Wildnis rückt vor. Doch was im ersten Moment romantisch klingt, hat schwere Folgen. Bleibt die Landschaftspflege durch den Menschen aus, sind die steilen Hänge der Erosion und den Unwettern stärker ausgesetzt. Um dieser negativen Entwicklung entgegenzuwirken, wurde im Jahre 1979 die GTA geboren. Damit die alten Verbindungspfade zwischen den Tälern wiederbelebt werden, damit der Wandertourismus den Dörfern in den Talschlüssen wieder einen Anreiz zum Bleiben gibt. Keine Investitionen in eine neue Infrastruktur, sondern das vorhandene Historische mit sanftem Tourismus erhalten und fördern.

Abenteuer mit Hintergrund

Damit schenkt die GTA dem Wanderer nicht nur einmalige Landschaftserlebnisse, sondern auch eine faszinierende kulturelle Vielfalt, von den Walsern bis zu den Waldensern, vom francoprovenzalischen bis zum okzitanischen Sprachraum, von Schmugglerdörfern bis zu königlichen Jagdschlössern, von nostalgischen Thermalbädern bis zu uralten Klöstern. Kurzum, die GTA ist ein Abenteuer mit viel Hintergrund. Ein Abenteuer, das man sich erarbeiten muss, denn täglich gilt es einen hohen Pass zu überwinden, der jedes Mal mit neuen, aufregenden Perspektiven den Schweiß des Aufstiegs vergessen lässt. Man bewegt sich auf den Arbeitswegen der ehemaligen Nutzer und erfährt dadurch eine ganze andere Wahrnehmung als der touristischen Wahrnehmung. Alte, oft kunstvoll in Stein gepflasterte Maultierpfade, sogenannte „mulattiere“ bestimmen einen Großteil der Route, Kulturrelikte, die bei uns schon fast zur Geschichte gehören, wie Bogenbrücken, Mühlen, Alpkäsereien, wo der Käse noch auf dem Rücken von Mulis ins Tal gebracht wird.

Die Journalisten und Outdoorspezialisten Iris Kürschner und Dieter Haas starteten Anfang Juli 2010 am Nufenenpass in der Schweiz, um der GTA ohne Unterbruch bis ans Mittelmeer zu folgen. Am 21. September 2010 erreichten Sie den Strand von Ventimiglia am Mittelmeer.

 

Fotostrecke:

 

In den folgenden Jahren entstanden aus dieser Tour nachfolgende Bücher und eine sehenswerte Multivision Live-Reportage:

Cover Rother Wanderführer GTA Grande Traversata delle Alpi von Iris Kürschner und Dieter Haas
Cover Bildband GTA Grande Traversata delle Alpi von Iris Kürschner, Bergverlag Rother

Interview auf Bayern 2

Im Rahmen unserer Buchpräsentation unseres neuen Bildbands „GTA – Grande Traversata delle Alpi“ im Globetrotter München wurden wir auch gleich interviewed. Reporterin Ulrike Zöller hat daraus einen tollen Beitrag für die Sendung „Notizbuch“ auf Bayern 2 gemacht.

Buchtipp: Grande Traversata delle Alpi

aus Notizbuch – Service – Bayern 2 von Ulrike Zöller. Veröffentlicht: 15.7.2014

 

Mehr über dieses Buch:

Cover Bildband GTA Grande Traversata delle Alpi von Iris Kürschner, Bergverlag Rother

Das Buch haben wir natürlich bei uns im Shop, gerne auch signiert oder mit persönlicher Widmung.

4. Internationaler Walliser Medienpreis geht an Iris Kürschner

Iris Kürschner wird mit dem 4. Internationalen Walliser Medienpreis in deutscher Sprache für ihre Beiträge „Eisiger Grenzgang“ und „Juwel in der Kaiserkrone“ im „Outdoorguide“ und in „Alpin“ ausgezeichnet.

Für ihre Beiträge „Eisiger Grenzgang“ im Schweizer Magazin „Outdoorguide“ und „Juwel in der Kaiserkrone“ im Deutschen Bergmagazin „Alpin“ wird Iris Kürschner der 4. Walliser Medienpreis verliehen. Julien Burri („L‘Hebdo“), Rosanna Precchia („Famiglia Cristiana“), Saifud-din Ismailji („Express Tribune Magazine“) sowie Fridolin Baur („Bayerischer Rundfunk“) sind die weiteren Sieger.

Die Journalisten werden im Juni an der Preisverleihung im Wallis den mit je CHF 5’000.- dotierten ersten Preis für Artikel und Reportagen in deutscher, französischer, italienischer und englischer Sprache erhalten.

Die unabhängige Jury unter der Leitung von Urs Zenhäusern, Präsident der Informationsstelle Wallis, setzt sich zusammen aus den folgenden Persönlichkeiten: Staatsrat Jean-Michel Cina, Staatsrat Jacques Melly, Thomas Rieder (Chefredaktor „Walliser Bote“) und Jean-François Fournier (Chefredaktor „Le Nouvelliste“) sowie für den Sonderpreis zusätzlich aus Roger Brunner (stv. Chefredaktor „Canal 9/Kanal 9“) und Yves Balmer (Chefredaktor „Canal 9/Kanal 9“).

Mit dem Preis für weltweit tätige und publizierende Journalisten will die Informationsstelle Wallis die Öffentlichkeit auf Tourismus, Wirtschaft und Natur des Alpenkantons aufmerksam machen.

Die Gewinner der einzelnen Kategorien sind:

Deutschsprachige Arbeiten:
Iris Kürschner, für ihre Beiträge „Eisiger Grenzgang“ und „Juwel in der Kaiserkrone“ im „Outdoorguide“ bzw. „Alpin“.

Französischsprachige Arbeiten:
Julien Burri für seinen Beitrag „Les p’tits coins de Paradis Valais“ im „L‘Hebdo“ vom Juli 2011.

Italienischsprachige Arbeiten:
Rosanna Precchia für ihre Beiträge „Vallese: in paradiso si va in treno“ und „Belalp: in pista con le streghe“ in „Famiglia Cristiana“.

Englischsprachige Arbeiten:
Saifuddin Ismailji für seinen Beitrag „Melting Away“ in der März/April-Ausgabe vom „Express Tribune Magazine“.

Sonderpreis TV/Film- oder Radioreportage:
Fridolin Baur für seine „Haute route a mi-coteau“ ausgestrahlt im Bayerischen Rundfunk im Mai und Juni 2011