Radtour rund um den Lago Maggiore

Route Cima di Morissolo, Lago Maggiore

Seine Schönheit lockt viele auf die Südseite der Alpen. Deshalb lässt sich der Lago Maggiore in den touristischen Randzeiten am entspanntesten genießen. Dann, wenn die Straßen und Strände ruhiger werden. In der Luft liegt ein Hauch von Meer und das einmalige Mikroklima bringt eine mediterrane Vegetation hervor, die zu jeder Jahreszeit mit Blüten und Düften umgarnt. Mit dem E-Bike auf Schnuppertour.

Ein Gedicht, am Monte Verità aufzuwachen, auf den Balkon zu treten und den See unter sich. Der fließt als breite Schlange durch hohe Berge gen oberitalienische Tiefebene, wie ein Fjord ins Meer. Verträumt dümpeln darin die Brissago-Inseln. Sonnenstrahlen streifen über die Gebirgsklippen und lassen die Bergdörfer leuchten. In den Himmel ragen der Monte Leone auf der West-, der Monte Gambarogno auf der Ostseite und geben dem Lago Maggiore eine eindrückliche Umrahmung. Den Langensee, treffender könnte sein Name nicht sein, werden Dieter und ich in den nächsten Tagen aus den verschiedensten Perspektiven kennenlernen. Mit dem E-Bike ließe er sich in zwei Tagen umrunden, Rennradfahrer packen die 165 Kilometer gar in einem Tag, doch was sieht man dabei mehr als Asphalt und das Vorderrad. Wir wollen die herrliche Seelandschaft mit allen Sinnen entdecken, dabei auch stille Nebenrouten finden, denn die Uferstraße ist gelegentlich eng und bei Berufsverkehr hoch frequentiert. Dort, wo sich solche Abschnitte nicht umfahren lassen, möchten wir auf das Wasser ausweichen. Regelmäßige Fährverbindungen der Navigazione Lago Maggiore verknüpfen die wichtigsten Orte. Damit kann die Radtour sehr abwechslungsreich gestaltet werden. Dabei als Naturliebhaber stets auf der Suche auch nach ansprechenden Unterkünften, solche mit Flair und Historie, mit Gastzimmern in gesunder Bausubstanz, mit ehrlicher Küche, ruhig und grün gelegen. Gar nicht so einfach zu finden in einer Welt der zunehmenden Künstlichkeit. Tolle Lage, aber Betonklotz an lauter Straße und „gerädert“ in den nächsten Tag starten, kommt bei uns, wenn möglich, nicht mehr in Frage. Oder die Farce, sich als Hotel in historischem Palazzo zu bewerben, innen dann aber Hightec und totrenoviert und die Nacht teilt man mit mehreren WLans, so wie uns das einmal an der hübschen Piazza Grande in der Altstadt von Locarno geschah. Was für ein Unterschied in Schlafqualität und Wohlfühlatmosphäre, als wir die Villa Novecento entdeckten. Das über 100-jährige Anwesen mit lauschigem Garten liegt nur fünf Minuten oberhalb des Bahnhofs von Locarno, also ein idealer Startpunkt für eine Lago Maggiore Radrunde. Zu einer weiteren Lieblingsadresse zählt der Monte Verità, ein Kulthügel über Ascona und immer noch eine Insel in den Wogen einer turbulenten Welt. Gut, dass im Haupthaus schon alles reserviert war und wir diesmal in der Villa einquartiert wurden. Im zweiten Stock beziehen wir ein Zimmer mit Seeblick sondergleichen. Im Rücken wuchert ein kleines Paradies. Gerüchten zufolge erlaubte man dereinst neugierigen Einheimischen aus Ascona – gegen Gebühr – auf das Dach der Villa Semiramis zu steigen, um einen Blick auf die vegetarisch und bisweilen auch naturistisch lebende Aussteigerkolonie im Park des Monte Verità zu erhaschen.

Licht-Luft-Hütten und Zen auf dem Berg der Wahrheit

Begonnen hatte die Geschichte, als sich eine Gruppe von anders Denkenden im Jahre 1900 zu Fuß von München aufmachte, um einen schönen Ort für ihre Kommune zu finden. Sie kauften den Hügel oberhalb Ascona und machten ihn zum Monte Verità, ihrem Wahrheitsberg.

Aussteiger, Künstler, Schriftsteller und Pazifisten versuchten sich auf dem Monte Verità in einer neuen Lebensform frei von gesellschaftlichen Zwängen und zurück zur Natur. Man trug wallende Gewänder oder lief ganz nackt, lebte in Licht-Luft-Hütten und ernährte sich von Rohkost. „Balabiotti“, Nackttänzer nannten die Einheimischen das verrückte Volk. Auch Hermann Hesse unterzog sich anno 1907 einer Kur in Askese. Am Monte Verità erlernte er die Kunst „einen halben oder ganzen Tag gar nichts zu tun, auf einem Felsen zu sitzen, der von Sonne glüht, die Bildungen der Moose zu betrachten und zu warten, ob etwa ein Sperber vorüberfliegt.“

Wenn man heute den herrlichen Park durchstreift, kann man sich gut vorstellen, wie hier Licht-, Luft- und Sonnenbäder durchgeführt wurden. Die Vegetation strotzt vor Üppigkeit, Palmen, Magnolien, efeuumrankte Baumriesen, selbst Teepflanzen gedeihen hier. Die Ernte kann in der „Casa del Tè“ bei einer japanischen Teezeremonie verkostet werden. Dazu gehört auch ein Zen-Garten, der zur meditativen Betrachtung einlädt.

Anstatt von Locarno direttissima zum nur rund drei Kilometer entfernten Monte Verità zu kurbeln, lohnt es sich, das Maggia-Delta genauer unter die Lupe zu nehmen. Nicht nur, dass dort Reis wächst, der Riso Nostrano Ticinese, auch idyllische Auenwälder und Badeplätze lassen sich aufstöbern. Wir radeln eine ansprechende Schleife talein zu den Dörfern von Terre di Pedemonte, wie der Eingang ins Centovalli genannt wird, dann bei Intragna über die historische Ponte dei Cavalli und von Golino auf dem sogenannte „Polenweg“, einem in den 1940er Jahren von Internierten erbauten kurvenreichen Bergsträßchen durch eine faszinierende Rundhöckerlandschaft ins hübsche Nest Arcegno und zum Monte Verità.

Eine dufte Strecke ins Zitrusparadies

Anderntags bleiben wir auf der Höhe, radeln durch ein Villenviertel nach Ronco sopra Ascona. Es duftet aus den subtropischen Gärten. Was man hier möglicherweise für einheimische Vegetation hält, stammt aus aller Herren Länder. Aus Arabien die Zitrone, aus Asien Rhododendren, Magnolien, Azaleen und Kamelien, aus Mexico die Agaven, aus der Türkei der Kirschlorbeer, Baumfarn aus Australien, Wasserlilien aus Brasilien, Palmen und Bananen aus den Tropen… Selbst die Kastanie wurde eingeführt. Von den Römern. Die exotischen Mitbringsel hätten nichts genützt, wären die Pflanzen nicht auf Idealbedingungen gestoßen: der See als Wärmespeicher, die Alpen als Schutzmauer vor kalten Luftmassen. Dazu ein Klima, das man „insubrisch“ nennt: Milde, trockene Winter und in der heißen Jahreszeit wird die reichliche Sonne durch intensive Regenfälle unterbrochen.

Der Kirchplatz von Ronco bietet legendären Seeblick direkt über den Brissago-Inseln. Steil fallen hier die Flanken, so dass es mitunter wirkt, als schwebe das Dorf über dem See. Wir bleiben weiterhin auf der Höhe, erst auf der Via Barcone, dann auf der Via Panoramica und finden so in eine Schlucht, in deren Wildnis man kein mächtiges Gotteshaus vermutet hätte. Es ist die Wallfahrtskirche Santa Maria Addolorata, die uns so in Staunen versetzt, das Herz des Sacro Monte di Brissago, zu dem vom Seeufer ein uralter Kreuzweg hinaufführt. Wie das mit den Heiligen Bergen begann, erzählte uns dereinst ein Prior im Piemont. Die Idee zum Sacro Monte brachte der Mailänder Mönch Bernardino Caimi Mitte des 15. Jahrhunderts von seiner Pilgerreise aus dem Heiligen Land mit heim. Für Gläubige, die weder die Bibel lesen noch nach Jerusalem reisen konnten, wollte der Franziskaner eine anschauliche Nachbildung schaffen. So entstand ab 1491 ein „Neues Jerusalem“ auf dem Berg von Varallo am Eingang ins Valsesia westlich des Lago Maggiore. Als seien sie lebendig, zeigen meisterhaft modellierte Figuren und Szenarien in unzähligen Kapellen die Passionsgeschichte Christi. Das Beispiel machte Schule. Allein in der Lago Maggiore Region gibt es fünf Sacri Monti. Der nächste liegt über dem Küstendorf Ghiffa, also schon im Piemont. Auf Brissago, das wir nach einer rassigen Abfahrt hangabwärts erreichen, folgt gleich der Zoll und wir stehen im gelobten Land „Bella Italia“, hier dem Piemont zugehörig. Nur wenige Kilometer und wir tauchen ein in die Altstadt von Cannobio. Kein Wunder, dass der Tourismus pulsiert, bei diesem Charme. Eng wird es vor allem, wenn sonntags der Markt stattfindet.

Verwinkelte Gassen führen zur Uferpromenade und dem Hafen, wo Terrassenlokale um die Gunst des schönsten Blicks buhlen. Schmucke Patrizierhäuser an erster Front künden vom Reichtum einer regen Handelsaktivität. Dahinter liegen die schlichten Fischerhäuser und in den Bars kostet der Cappuccino nur noch die Hälfte. Weil das nächste Stück Uferstraße ein ähnlich unangenehmes Verkehrsaufkommen – wie schon der Abschnitt ab Brissago – aufweist und keine Ausweichstraßen zur Verfügung stehen, gönnen wir uns eine Schifffahrt nach Cannero Riviera. Nur durch einen Bergbusen von Cannobio getrennt, aber deshalb so geborgen und geschützt vor rauen Winden, dass es eine Fahrt in ein ganz besonderes Mikroklima wird. Die Südlage auf dem geschützten Flussdelta des Rio Cannero lässt eine mediterrane Üppigkeit zu, dass einem die Augen übergehen: Bananenstauden, Magnolien, Kamelien, Bougainvillen. Vor allem Zitrusbäume gedeihen prächtig. Von der Seife bis zur Marmelade bieten die Läden alles erdenkliche rund um die Zitrusfrüchte und alljährlich Mitte März findet ihnen zu Ehren das Festival der Agrumi di Cannero statt. Die Ankunft mit dem Schiff am historischen Ortskern ist bilderbuchreif. Direkt an der Anlegestelle lockt das Hotel Cannero als stilvollste Unterkunft. Eine Atmosphäre, als wäre man direkt am Meer. Wir wollen gleich zwei Nächte bleiben, denn das Umland gibt traumhafte Radrunden her. Eines der Highlights wäre da die Cima di Morissolo, die wir uns am nächsten Tag vornehmen werden. Jetzt heißt es erst einmal das Dolcefarniente genießen, am Lungolago delle Magnolie, der bezaubernden Seepromenade entlang bummeln, einen Aperitivo nehmen, in der Stille des verkehrsberuhigten Areals in einem Zimmer mit Seeblick schlummern und sich morgens von der aufgehenden Sonne aufwecken lassen.

Der durchlöcherte Berg

Was für ein Glück mit dem Wetter. Glasklare Weitsicht begleitet uns auf der Via Panoramica, der Serpentinenstraße, die gleich hinterm Ortskern beginnt und ins Dörfchen Trarego führt. Dort kann man sich entscheiden, entweder weiter der Serpentinenstraße zu folgen oder über einen sehr steilen Forstweg abzukürzen. Dann wird es entspannter, folgt die Straße dem Höhenkamm und bietet nicht nur Seeblick sondern auch Alpenblick. Ins Auge sticht die Eisbastion des Monte Rosa. Mitten in unberührter Landschaft taucht schließlich wie aus dem Nichts das riesige Krankenhaus am Piancavallo auf. Dort biegen wir auf die für den Verkehr gesperrte Strada Cadorna ab.

Die Linea Cardorna war eine Verteidigungslinie, die General Cadorna zu Beginn des ersten Weltkriegs bauen ließ. Italien hatte sich für kurze Zeit neutral erklärt, verbündete sich dann aber 1915 mit den Alliierten gegen Deutschland und Österreich-Ungarn, mit denen das Land zuvor eine Allianz unterhalten hatte. Die Sorge um einen möglichen Einmarsch feindlicher Truppen über den Grenzkamm war so groß, das man bis 1918 ein gigantisches Festungssystem längs der Schweizer Grenze errichtete: 72 Kilometer Schützengräben, 88 Artilleriestellungen, davon 11 unterirdisch, 296 Kilometer Fahrstraßen, 398 Fuß- und Maultierpfade und jede Menge Truppenunterkünfte, Materialdepots, Lazarette. Deshalb ist das Wegenetz hier auf den grenznahen Kämmen so gut ausgebaut. Und die Cima Morissolo, von zahlreichen Stollen durchlöchert, sollte als Bunker und Schützenstellung dienen. Gekämpft wurde nie und die Vögel zwitschern hoffentlich noch lange Frieden. Wie mit dem Lineal gezogen leitet uns die Piste flach zum Gipfelaufbau, während zu Füßen der See glitzert. Kein anderer Berg am Lago Maggiore bietet solch einen umfassenden Seeblick.

Der Goldküste entlang

Wieder zurück in Cannero offeriert das Hotel uns wie auch jedem anderen Gast eine gratis Bootstour und eine Weinprobe. Alfredo, der Senior des Familienunternehmens, lässt uns edle Tropfen der Region verkosten und erzählt aus der Historie. Wir stehen hier in uraltem Klostergemäuer, dass Mitte des 19. Jahrhunderts in ein Albergo umgebaut wurde. Albergo Tre Re (Drei König) hieß es damals, wurde 1902 von der Familie Galinotto übernommen und wird heute als Hotel Cannero in vierter Generation geführt. Es war der Urgroßvater, der einen guten Instinkt gehabt hatte. Viele ausländische Gäste kamen, vor allem britische Touristen. Eine Reise auf der Grand Tour gehörte zum Prestige, sie führte über den Simplon zum Lago Maggiore und an dessen Westseite entlang. So wurde aus der westlichen Uferseite die Goldküste, la Sponda grassa, wie der Volksmund sie nennt. Zwischen Cannobio, Cannero und Verbania „entstand eine regelrechte Corniche: eine Uferinszenierung mit prätentiösen Villen und rosenumspielten Rotunden, mit Zuckerbäcker-Hotelfassaden und Jugendstil-Teehäuschen“, umschreibt es der Reisebuchautor Wolfgang Abel so schön. Und zur Landschaftsdramatik kommt hier noch der Ausblick auf die Castelli di Cannero hinzu, Burgruinen, die direkt aus dem Wasser zu staken scheinen, so winzig sind die Inselchen. Bei unserer Anfahrt per Boot kamen wir ganz nah vorbei. Jede Menge Legenden ranken sich um dieses Wasserkastell. An manchen Nebeltagen, so heißt es, könne man ein Geisterschiff um die einst uneinnehmbare Festung segeln sehen.

Über schmucke Hangdörfer radeln wir anderntags nach Verbania und gehen vom Ortsteil Pallanza erneut auf das Wasser. Inselhopping nach Stresa, weil man die Borromäischen Inseln einfach nicht auslassen kann: drei Inseln, die im 17. Jahrhundert von der Adelsfamilie Borromeo zu prachtvollen Palastinseln ausgebaut wurden. Die Isola Bella bezaubert mit einem fantasievollen Barockgarten, die Isola Madre mit botanischem Park voller Pfauen und Fasane, und auf der Isola Pescatori kann sogar übernachtet werden. Setzt man dann wieder rüber ans Festland, trumpft Stresa mit „Hotelfassaden, die wie gestrandete Luxusliner über dem Ufer thronen“, beschreibt es Abel treffend. Am Corso Italia brummt lebhafter Verkehr, dahinter versteckt sich das Centro storico mit seinen engen Gassen. Was für ein Kontrast zur Stille der Inseln.

Hochwürden in den Kopf gestiegen

Mit Fahrtwind geht es weiter, wir kurbeln die Uferstraße südwärts. Anstelle der Gebirgsdramatik gestalten nun Hügelwellen die Landschaft. Im gleißenden Gegenlicht sausen die Schattenrisse von Segelbooten, Katamaranen und Surfern über das Glitzerwasser. Jenseits als Blickfang kommt die Rocca di Angera immer näher, ein mit Festung gekrönter Fels und zur Lombardei gehörend. Genau vis-à-vis auf unserer zum Piemont gehörenden Seeseite findet sich mit der Rocca di Arona ein Pendant. Nur wurde da das Schloss von Napoleon geschliffen und die Steine für den Bau der Simplonstraße verwendet. Bis heute befinden sich beide Burgen im Besitz der Borromäer. Carlo Borromeo, der einzige Sohn der Adelsfamilie, der zum Klerus ging, erblickte 1538 auf der Rocca di Arona das Licht der Welt. Heute dürfen Touristen durch seine Augen schauen. Wie kontrovers, ein erbarmungsloser Inquisitor und die katholische Kirche sprach ihn heilig. Seit 1698 krönt der Heilige Karl als 35 Meter hoher Koloss einen Hügel über Arona und bietet mit Sicherheit den ungewöhnlichsten Ausguck auf Erden. Denn er ist von innen begehbar, 80 Stufen führen in seinen Kopf hinauf, über eine steile Wendeltreppe, was schon fast einem Klettersteig gleicht. Für zwei Jahrhunderte galt „San Carlone“ als höchste Statue der Welt. Es heißt, er sei das Vorbild für die Freiheitsstatue in New York gewesen.

Auf der mageren Seite

Mit schmaler Zunge endet der Lago Maggiore bei Sesto Calende, setzt sich als Ticino fort, um nach 80 Kilometern in den Po zu fließen. Man könnte seinen Mäandern folgen, die ein kleines Naturschutzgebiet bilden: den Parco Naturale delle Valle del Ticino. Doch in Sesto Calende überqueren wir den Fluss, die Grenze zur Lombardei, um dem Seeufer treu zu bleiben. La Sponda magra, die magere Küste, nennt der Volksmund die lombardische Seeseite. „Doch wir haben mehr Sonne im Winter“ lacht Guido Bonseri, der uns im Garten des Albergo Belvedere entgegen kommt, als wir nachmittags in Ranco einchecken wollen. Im Bikedress gekleidet will er sich gerade auf seine tägliche Trainingsrunde begeben. Der Bike Manager des Hotels lebt seine Leidenschaft und machte aus dem Familienbetrieb seiner Frau ein Bike Hotel mit vorbildlich ausgestatteter Werkstatt. Auch sonst kann sich das Belvedere sehen lassen: hübsche Zimmer und Gastterrasse, Pool und Sauna, Seeblick und eine umwerfende Küche. Allein nur schon die frisch zubereitete Fischpastete mit Saiblingmousse lässt schweben wie auf Wolke 7. Ranco hat Charme. Hier schiebt sich eine locker besiedelte Halbinsel in den See und bleibt verschont vom Hauptverkehr. Dann aber kommen wir nicht umhin, der Hauptstraße zu folgen. Immer wieder lohnen Seitenabstecher, so bei Leggiuno zur Santa Caterina del Sasso, eine in den Steilfels gemeißelte Einsiedelei direkt über dem Wasserspiegel. Ein magischer Ort, falls nicht gerade zuviel los ist. Die Überlieferung berichtet vom Kaufmann Alberto Besozzi, der hier 1170 Schiffbruch erlitt, überlebte und das Kloster gestiftet haben soll, in dem er dann als Eremit lebte und wo seine Gebeine bis heute ruhen. Der Komplex wurde immer wieder erweitert und ab dem 14. Jahrhundert von Mönchen bewohnt. Wer schöne Seeblicke genießen möchte, benutzt die steilen Treppen und nicht den Lift.

Luino, die größte Stadt am Ostufer, erstreckt sich dort, wo der Fiume Tresa den Luganer See mit dem Lago Maggiore verbindet. Durch ihre Lage an der kürzesten Strecke zwischen den zwei Seen und der guten Anbindung mit Como und Mailand stritten sich im Mittelalter diverse Herrscher um die Stadt, so herrschten beispielsweise im 15. Jahrhundert die Rusca aus Como, im 16. Jahrhundert die Schweizer. Berühmt ist der Mittwochsmarkt, der bereits seit 1541 durchgeführt wird und einen der größten Märkte Oberitaliens darstellt. Mit Verkehrschaos muss an diesem Tag natürlich gerechnet werden. Ab Maccagno ließe sich über das Bergsträßchen zur Alpe di Neggia der lebhaften Uferstraße entkommen. Egal, ob man unten oder oben durch radelt, man passiert wieder die Grenze zur Schweiz. Gambarogno nennt sich die Region am Ostufer. Wire biegen wieder ab auf ein Nebensträßchen.

Duftes Finale

Zwischen den Dörfern Piazzogna und Vairano im Schutze eines Bachgrabens liegt der Botanische Garten, den Otto Eisenhut in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts ins Leben rief und den sein Sohn nun mit derselben Leidenschaft fortführt. Er birgt die weltgrößte Magnoliensammlung, nun zu imposanten Bäumen gewachsen. Hinzu gesellen sich Kamelien, Azaleen, Pfingstrosen, Rhododendren, Glyzinien, die zwischen März und Mai für eine Explosion an Farben sorgen. Zwischen Ende Mai und Mitte Juni blühen dann die späten Magnolien und der Hartriegel, im Herbst die Winterkamelien und Zitruspflanzen. Doch der Park sei das ganze Jahr über zum Flanieren schön, so Reto Eisenhut und seine Augen leuchten dabei. Hier könne er Energie tanken, sagt der tatkräftige Baumschulist. Koniferen, Hartriegel, Eiben und exotische Nadelbäume ergänzen den grünen Dschungel, der dank seiner Hanglage auch schöne Seeblicke erlaubt. Picknickplätze zum Verweilen ein. Wir nehmen Platz auf einer Bank unter einem Riesenmammutbaum, sein Stammdurchmesser mehr als drei Meter, und spüren die Kraft, die Reto Eisenhut beflügelt.

Fotostrecke


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INFOS

Touristische Institutionen
Ticino Turismo, Tel. +41 91 825 70 56, www.ticino.ch
Distretto Turistico dei Laghi, Tel. +39 0323 30416, www.distrettolaghi.it

Anreise
Mit dem Zug bis Locarno, www.sbb.ch

Unterkünfte
Locarno: Bio-Hotel Villa Novecento, Tel. +41 91 743 45 93, www.novecento.ch
Rund um den Monte Verità: Albergo Ristorante Zelindo in Arcegno, ehrliche Küche und hübscher Garten, ruhig gelegen, Tel. +41 91 791 34 46, www.zelindo.ch; Monte Verità: Historisches Hotel im Bauhausstil und legendären Park, Tel. +41 91 785 40 40, www.monteverita.org
Cannero: Hotel Cannero, mit Schwimmbad, Tel. +39 0323 788046, hotelcannero.com
Ranco: Hotel Ristorante Belvedere, Bike Hotel, mit Schwimmbad und Panoramasauna, Tel. +39 0331 975260 oder 976609, hotelristorantebelvedere.it
Gambarogno/Vira: Hotel Bellavista, mit Schwimmbad, Tel. +41 91 795 11 15, www.hotelbellavista.ch

Im Kopf des Heiligen
Die Statue des Heiligen San Carlo bei Arona lohnt sich zu besteigen. Man genießt einen ungewöhnlichen Ausblick aus seinem Kopf. Öffnungszeiten und Eintrittspreise: www.statuasancarlo.it

Teatime im Ticino
Im Park des Monte Verità bei Ascona lässt sich die einzige Teeernte der Schweiz stilgerecht verkosten. Geöffnet ist das Teehaus April bis Oktober von 10 bis 18 Uhr, von Nov. bis März nur Sa/So 11 bis 17 Uhr. Teezeremonie jeden 1. und 3. Samstag des Monats, Anmeldung notwendig, Tel. +41 (0) 91/791 43 00, www.monteverita.org

Wellness-Oase
Ein feines Finale der Radtour, sich im Termali Salini & Spa am Lido von Locarno zu entspannen. Das Natursolebad macht Laune, vor allem auch mit seinem Außenbecken, von dem man stundenlang über den See träumen kann, besonders stimmig bei Sonnenuntergang. Der Sauna-Bereich wurde leider in den Untergrund verbannt und wirkt etwas gruftig, www.aqua-spa-resorts.ch

Leseratten
Wer gerne schmökert, nimmt sich einen spannenden Roman mit, um so interessanter, wenn er auch noch in der Gegend spielt, so wie „Lillys Courage“ von Mattia Bertoldi, Edition Bücherlese. Eine sehr berührende Geschichte, die sich während des Zweiten Weltkriegs am Monte Verità und in Ascona abspielt. Ebenso packend und in der gleichen Zeit spielend der Roman „Ascona“ von Edgar Rai, Piper Verlag.


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